Angeregt durch Apia´s Kinderthread
...und auch weil ich bald 35 Jahre alt werde und mir seit einiger Zeit verstärkt Gedanken um meinen Kinderwunsch mache, und auch weil mein Freund neulich von einem frischgebackene Vater und Kumpel nach Hause kam und zu mir meinte, das er sich das alles (Baby´s) nicht nochmal vorstellen könnte, habe ich meinen Freund gefragt, wie er sich die Zukunft mit mir vorstellt.
Er hat in letzter Zeit öfter den Gedanken geäußert, das er froh ist, das sein Sohn aus dem Gröbsten raus ist (12 J.) und er seine Freiheiten mit mir genießen kann.
Ich weiss das ebenso zu schätzen und habe bisher auch nie einen starken Wunsch nach einem Kind verspürt. Ich wollte mit immer noch Zeit lassen, erst ab Mitte 30 darüber nachdenken. Meine Mutter war selbst spätgebärend (41 J.) als ich kam. Ich bin nicht der Typ Frau, die Babys bewundern und sich wie verrückt auf eine Mutterschaft freuen.
Sehe viele positive und auch negative Beispiele im Bekanntenkreis und finde einige Mütter und ihre Kinder sehr abschreckend. Andere wieder bewundernswert. Wir haben oft darüber diskutiert und gesprochen und auch gelästert und mein Freund hat immer wieder mal gesagt, das ich nicht der typische Mutter- und Frauentyp bin. Ich habe aber nie einen Hehl daraus gemacht, das ich irgendwann sicher mal Mutter werden will. Ich habe mich nie gegen Kinder ausgesprochen.

Am Anfang unserer Beziehung hat mein Freund oft das Thema angesprochen. Ich kann mich noch erinnern, das ich mich damals gewundert habe, wieviele Gedanken er sich darüber macht. Z.B. hatte er mal überlegt, wie man sein Haus für ein zweites Kinderzimmer umbauen müsste.
Er kann super mit Kindern umgehen und ist aufopferungsvoller und liebevoller Vater der seine Rolle genießt und für seinen Sohn alles macht. Das Kind ist die Hälfte der Zeit bei uns, oft noch darüberhinaus. Also nicht der klassische Wochenendvater sondern das Kind ist auch an 2-3 festen Tagen in der Woche bei uns. Für mich war es eine Herausforderung in eine Patchworkfamilie zu ziehen. Es gab und gibt immer wieder mal Konflikte, die das Zusammenleben mit einen Kind mit sich bringen. An für sich verstehen wir uns alle gut aber das hat auch eine Menge Zugeständnisse und Verständnis meinerseits vorausgesetzt. Ich habe mein unbeschwertes und absolut freies Leben eingetauscht um mit dem Mann zu leben den ich liebe, und bin seitdem natürlich auch von Einschränkungen betroffen, die seine Vaterschaft mit sich bringen.
Aufgewogen wurde das alles auch dadurch, das ich gesehen habe, was für ein toller Vater mein Freund ist und ich wusste, wenn wir mal ein Kind bekommen, ich genau den richtigen Mann dafür gefunden habe.
Bis vor einer Woche war ich mir 100% sicher, das mein Freund einem Kind gegenüber aufgeschlossen ist. Ich wusste, das er für sein eigenes Lebensglück nicht noch unbedingt ein zweites Kind braucht, aber das er weiss, wie toll so ein Leben mit Kind ist, und er mich, wenn ich mal soweit bin, auf jeden Fall darin voll und ganz darin unterstützen und sich auch freuen würde.

Nun hatten wir diese Unterhaltung, die sich ganz zufällig entwickelte (unglücklicherweise grad auf der Autobahn während der Fahrt zu einer Sylvesterparty) und ich total von den Socken gehauen wurde, als mein Freund mir offenbarte, das er eigentlich garkeinen Bock mehr auf einer weitere Vaterschaft hätte. Er ist froh das sein Junge jetzt in einem Alter ist, wo er langsam selbständiger wird. Und er ist froh das er mit mir zusammen seine Freiheiten genießen kann und all das machen kann, worauf er jahrelang verzichtet hat. Gerade diese Begründungen kann ich schwer nachvollziehen weil er auch mit Kleinkind und Ex viel verreist ist, allerdings nicht in die Ferne, was aber eher an der Ex und weniger am Kind lag.
Er ist jetzt aber froh eine finanziell unabhängige, unternehmungslustige und reiselustige Partnerin (ich) zu haben, die all das mit ihm nachholen kann.
Er möchte darauf nicht mehr verzichten, auch nicht wegen eines Kindes. Im Grunde seines Herzens sind Kinderpläne für ihn abgeschlossen.
Er hat es nicht direkt gesagt aber die ganze Unterhaltung klang für mich nach diesem Fazit.....
Könnt Ihr Euch vorstellen, wie geschockt ich war? Für mich hatte sich das alles total anders dargestellt und er hat mir auch nie vorher mal gesagt, das er so denkt. Klar, wusste ich das er die Freiheiten mit mir genießt aber auch so wie jetzt sind diese nur eingeschränkt. Denn unsere "angebliche" Unabhängigkeit in der Urlaubsplanung sind auch jetzt sehr nach seinem Kind ausgerichtet und die letzte Fernreise war ein 3-wöchiger-Familienurlaub mit seinem Sohn in den USA (soviel zu Thema totale Freiheit).
Außerdem hat er kein 2. Kinderzimmer (dafür hatte er vor 2 Jahren noch mehrere Lösungen im Kopf) und mit 40 Jahren wäre er ja auch bald schon zu alt für das "Alles".
Er fühlte sich von mir unverstanden und in die Ecke gedrängt. Daraufhin habe ich das Thema ruhen lassen. Sein letzter Satz war in etwa das er eigentlich keine große Lust mehr darauf verspürt, mir aber diesen Wunsch letztendlich nicht verwehren würde, sollte dieser bei mir allzu groß werden.

Die letzten Tage war sein Sohn da und wir haben darüber nicht mehr gesprochen. Gestern nach ewig langer Schmuseorgie mit dem Kind, kam er ins Schlafzimmer und erzählte noch ein paar lustige Anekdoten seines Sohnes. Irgendwie kam es über mich und ich sagte ihm, das er vor ein paar Tagen noch vehement gegen Kinder gesprochen hat und es schon lustig wäre, in welchen liebevollen Worten er jetzt wieder von seinem Sohn spricht.
Und dann ging die ganze Diskussion wieder von vorne los. Er zählte zig Nachteile auf uns ließ sich diese von mir auch nicht zerreden. Ich sagte ihm, das seine Entscheidung, falls sie gegen ein Kind ausgehen sollte, mich maßgeblich mitbetrifft und auf unsere Beziehung evtl. folgenreiche Auswirkungen hat.
Das ich nicht unbedingt seine glückliche Vater-Sohn-Idylle unterstützen und mitleben kann wenn er mir gleichzeitig dieses Glück mit einem eigenen Kind verwehrt. Das ich mir mit 35 J. jetzt langsam Gedanken machen muss und die Kinderfrage irgendwann thematisieren muss. Das ich diese Entscheidung mittragen muss damit ich sie nicht irgendwann bereue. Und das ich mit ihm endlich einen Mann gefunden habe, den ich genug liebe und bei dem alle! Rahmenbedingungen passen, um mit ihm so einen weitreichenden Schritt zu tun.
Und auch, das ich nicht jetzt in diesem Jahr ein Baby von ihm möchte, mich aber im nächsten oder übernächsten Jahr oder auch überübernächsten Jahr dann mal langsam darauf einlassen möchte.

Letztendlich haben wir uns im Kreis gedreht aber das Fazit, das ich aus dieser Unterhaltung ziehe, ist noch negativer als das von vor ein paar Tagen. Er hat in den Raum gestellt, das seine Entscheidung negativ ausfallen könnte und das der "Anfang vom Ende" sein könnte. Er müsste sich darüber viele Gedanken machen und könne keine Spontanentscheidung treffen aber grundsätztlich ist er bei seiner Meinung geblieben bzw. hat diese noch verstärkt, das er eine weitere Vaterschaft eigentlich eher nicht mehr möchte.
An eine ähnliche Unterhaltung (die weitaus positiver war) vor ein paar Monaten kann er sich nicht erinnern.
Ich konnte nicht schlafen und bin noch ewig durchs Haus geschlichen während er schon schlummerte. Mir zieht es grad den Boden unter den Füssen weg.
Er hat nicht klar "Nein" gesagt aber ich mache mich innerlich schon darauf gefasst, das er mich mit irgendwann mit einem "Nein" konfrontiert und ich mich dann entscheiden muss zwischen Pest oder Cholera.
Mir geht es auch heute nicht gut. Ich habe Angst. Und ich weiss nicht, ob ich mir heute abend einen friedlichen Vater-Sohn-Abend antun kann.
Könnt Ihr mich verstehen?
Ich will nicht auf Biegen und Brechen von heute auf morgen ein Kind oder eine Entscheidung von ihm oder sonstwas aber ich wünsche mir eine Perspektive mit diesem Mann, eine Zukunft! Ich bin so überrascht von seiner Meinung, vor ein paar Tagen habe ich in Apias Thread noch ganz anders geschrieben (weil ich da auch noch anders gedacht habe).
Bin total durch den Wind und fühle mich von ihm allein gelassen. Heute morgen hatte ich das Gefühl, er geht mir aus dem Weg, habe ihn nur kurz gesehen :-(
Ich will das Thema jetzt erstmal wieder ruhen lassen, bin gleichzeitig innerlich aber total zerrissen und könnte sofort losheulen.

Sorry für den langen Beitrag aber mir geht´s grad echt nicht gut......